Der Mensch in chemischer Offenbarung

Gerne, gerade gegenüber Tier und Pflanze, behauptet der Mensch seine Überlegenheit. Die rührt für ihn ganz deutlich und auch innerlich nachfühlbar aus dem grenzenlosen Selbst- und dann auch Weltbewusstsein her, das ihn auszeichnet, qualifiziert und stets auch selbst repariert. Das ist aber falsch und basierend auf dem eigenen, durchweg begrenzten Bewusstsein auch fahrlässiger und willkürlicher Natur. Der Mensch öffnet sich dem Chemischen der gesamten Welt wie jeder andere Organismus. Abgrenzungen sind erdacht, aber niemals wirklich. Darum kann er sich eben nicht von der feinen Luft, dem harten Gestein, dem Fell des lieben Haustieres scheiden. Verschiedene chemische Massive mag man da erkennen, das mag auch fein sein. Tatsächlich aber ist die bewusste Spaltung in Innenwelt des Menschen und Außenwelt des Fremden absolut konstruiert und ohne jede greifbare Basis.
Also das Ungreifbare, Unbewusste Thema werden lassen! Vor dem Konstrukt „Welt“ werden Unsicherheit und Angst des Menschen offenbar, aber auch die Verbindungen, die Welt und Mensch stetig zusammenwerfen. Es ist ein einziges Schwingen und Schwimmen im Naturball. Darin, darüber und eins sind Mensch, Tier und Pflanze.

Dergestalt, 2015.

Zur Überrealität!

Surrealismus bedeutet nicht die fantastische, vom Realen befreite Welt, sondern eine Welt, in der die Dinge im Realen verzerrt sind. Es ist ein Über-Realismus, der die Verfremdung noch inmitten des Gewohnten vornimmt. Hier sind es noch klare Örtlichkeiten, deutliche Begriffe, da werden sie schon merkwürdig schräg in ihren Proportionen. Die Bezüge zwischen Metaphorik und realer Welt verschwimmen auf diffuse Weise.
So muss man die Wirklichkeit attackieren! Man muss sie in den eigenen Elementen erfassen und noch tief in ihrer eigenen Substanz verfremden. Man muss die chemische Zusammensetzung unserer Welt erschmecken können, ehe man ihre Atome ein wenig verschiebt. Tut man das schließlich, entdeckt man auch, wie sich die Dinge verändern. Im grellen Gelb eines deutschen Ortsschildes etwa ergibt sich die Blutmischung eines kranken Kindes. Nur indem man die Stoffe der „eigentlichen“, realen Welt extrahiert, neu mischt, schafft man fundamental verunsichernde Situationen, die den nahen Schrecken, das Unheimliche heftig fokussieren. Irritierend wird das Irritierende erst, wenn man sich selbst halb darin befindet. Und Kunst muss irritieren.
Zur Überrealität!

Dergestalt, 2015.