Zur Überrealität!

Surrealismus bedeutet nicht die fantastische, vom Realen befreite Welt, sondern eine Welt, in der die Dinge im Realen verzerrt sind. Es ist ein Über-Realismus, der die Verfremdung noch inmitten des Gewohnten vornimmt. Hier sind es noch klare Örtlichkeiten, deutliche Begriffe, da werden sie schon merkwürdig schräg in ihren Proportionen. Die Bezüge zwischen Metaphorik und realer Welt verschwimmen auf diffuse Weise.
So muss man die Wirklichkeit attackieren! Man muss sie in den eigenen Elementen erfassen und noch tief in ihrer eigenen Substanz verfremden. Man muss die chemische Zusammensetzung unserer Welt erschmecken können, ehe man ihre Atome ein wenig verschiebt. Tut man das schließlich, entdeckt man auch, wie sich die Dinge verändern. Im grellen Gelb eines deutschen Ortsschildes etwa ergibt sich die Blutmischung eines kranken Kindes. Nur indem man die Stoffe der „eigentlichen“, realen Welt extrahiert, neu mischt, schafft man fundamental verunsichernde Situationen, die den nahen Schrecken, das Unheimliche heftig fokussieren. Irritierend wird das Irritierende erst, wenn man sich selbst halb darin befindet. Und Kunst muss irritieren.
Zur Überrealität!

Dergestalt, 2015.

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