Vergewaltigung mal anders / Paul Verhoeven – Elle (2016)

Gut, manchmal darf im Kino auch Vergewaltigung sein. Soll ja auch die Realität abbilden. Aber wie soll die dann am besten aussehen? Okay, hart, ungeschönt – ist ja auch nichts Schönes. Aber auch ziemlich traurig im Nachhinein. Die Figuren müssen traurig, fertig sein, man muss echt Mitleid mit denen haben.Und dann am besten eine mutige Abkehr von dieser schrecklichen Realität (und deren Darstellung). Genau. Ja, und dann kommt Elle und fegt das alles zur Seite.

Protagonistin Michèle geht mit ihrer Vergewaltigung ganz anders um. Teilweise gar nicht: Sie lebt als toughe Frau einfach ihren Alltag weiter. Und teilweise offensiv: Sie will die von ihr designten Computerspiele in ihren sexuellen Vergewaltigungsdarstellungen gerne noch orgiastischer haben. Überhaupt scheint die Vergewaltigung, trotz ihrer Schrecklichkeit, für sie auch etwas subtil Erregendes zu haben. Die Fantasien des Vergewaltigers spielen letztlich sogar in ihr Sexualleben. Also ganz klar ein geiler, frauenfeindlicher Film (natürlich von einem Mann gedreht)?
Paul Verhoeven kann man vorhalten, dass er die Vergewaltigung mit seinem schwarzhumorigen Umgang relativiert, in jedem Fall irritierend konsumierbar macht. Daran ändert auch die hart und abrupt brutale Darstellung des Überfalls auf Michèle wenig. Andererseits ermöglicht der Film durch seinen Humor auch einen Ausweg aus der ständigen Opferrolle der vergewaltigten Frau. Hier kann sie selbst entscheiden, ob sie Opfer ist und wird durch den eindringenden Mann nicht in eine passive Rolle gedrängt. Ihr bleibt es, ihr Leben zu gestalten. Und zwar nicht in mutiger Abkehr, sondern in mutiger Konfrontation. Dass eine solche Konfrontation mit einem konfrontativen Thema zwangsläufig auch den Zuschauer konfrontiert und ihn aus seiner Rape-Comfortzone zehrt, macht diesen Streifen dann schließlich auch besonders schmackhaft.

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5 Gedanken zu “Vergewaltigung mal anders / Paul Verhoeven – Elle (2016)

  1. Ich schließ mich meiner Vor-Kommentatorin an: gut auf den Punkt gebracht. Der Film vertreibt einen aus der Compfortzone und ist ja auch irgendwie ein großer Stinkefinger in Richtung all der halbgaren französischen Komödien und Dramen, die hierzulande den Arhouse Stempel aufgedrückt bekommen, aber eigentlich nur bequeme Unterhaltung für die Generation ü50 sind. Allein der Spoundrack.

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