Prachtvoll daneben / Gore Verbinski – A Cure for Wellness (2017)

Nach M. Night Shyamalans Split kommt nun die nächste filmische Flachzange. Dabei schätze ich Gore Verbinski als Regisseur kuschliger Fantasywelten wie der von Pirates of the Caribbean eigentlich sehr. Na ja, ich war auch ebenso unsicher, ob sich derselbe Mann an einem großzügig ausgestatteten, sicher ambitionierten Horrorfilm wie A Cure for Wellness versuchen sollte. Aber die Promo versprach einiges und zunächst wirkte der Film auch wenig blockbusterweichgespült. Obskure Symbole, merkwürdige Figuren, wunderbare Kulissen. Der Film zeigt einen Wallstreethai, der einen Mitarbeiter aus einem Sanatorium in den Schweizer Alpen holen soll, um mit dem einen Börsendeal abzuwickeln. Nur ist dieses Sanatorium äußerst merkwürdig und bald ein sehr gefährlicher Ort. Niemand soll von dort entkommen. Das klingt ein bisschen nach Shutter Island, Der Zauberberg und tatsächlich erinnert der Protagonist (Dane DeHaan) schon ein bisschen an den lieben DiCaprio und bald sieht man auch das Buch von Thomas Mann in den Händen einer Figur.

Okay, soweit ist der Film spannend angelegt und traut sich durchaus, den Zuschauer mit abrupten Szenen und Unerklärlichkeiten zu konfrontieren. Das auch mit einer Selbstverständlichkeit und Überzogenheit, die durchaus Exploitationcharme versprüht. Beispielsweise hängt der Protagonist gerade in einem therapeutischen Wassertank, als sein Betreuer von einer hinterhältig wirkenden Betreuerin besucht und zum Masturbieren eingeladen wird. Gleichzeitig sind plötzlich Aale im Wassertank, aber niemand hört nun den schreienden Protagonisten. Solche Szenen verschrecken natürlich den, der ein Horrorepos vor prachtvoller Kulisse erwartet, mich haben sie in ihrer Schratigkeit aber angenehm überrascht. Nur leider kippt diese Schratigkeit und Over-the-Topness bald in sehr klischeehafte Darstellungen, während der Film ernst und gerade auf seine Laufzeit hin sehr behäbig bleibt. Am Ende ein sehr unentschlossener Hybrid aus prachtvollem Horrorschinken und exploitationhafter Horrorgroteske… ach, und die kuschligen Fantasywelten voller Blubbermonster bekommt man schließlich auch noch geboten. Wir sind hier ja bei Gore Verbinski. Och manno.

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6 Gedanken zu “Prachtvoll daneben / Gore Verbinski – A Cure for Wellness (2017)

  1. Also ich fand ihn gut gelungen. Herrlich wie er alle erdenklichen Genre-Klischees zusammenwirft und trotzdem den Flow wahrt. Trotz beachtlicher Länge keine Sekunde langweilig. Gerade gut, dass er den Ernst nicht verliert obwohl er eine absurde Welt entwirft. Die Szene in der Dorfkneipe war mein Highlight.

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    • Okay, die Dorfkneipenszene habe ich als Exploitation- und Trashfreund natürlich gern gesehen. Eigentlich ein gutes Beispiel für die ordentliche Mischung aus Klischee und Ernsthaftigkeit. Stimmt schon.

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  2. Ging mir scheinbar genauso wie dir. Meine Meinung geht am Freitag online, aber ich habe dem Film am Anfang auch wesentlich mehr abgewinnen können, als später. Anfangs war das schön subtil und später dann ein bisschen zu sehr ‚in your face‘ Standard-Grusel-Schmonzette.

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    • Ja, ist echt schade, dass sie viele spannende Elemente (siehe etwa die Aale) so profan und gewollt aufgelöst haben. Ich sage oder predige es ja schon seit ewigen Zeiten, aber das Horrorgenre muss sich endlich mal abgewöhnen, ständig jedes Motiv erklären zu wollen. Meist sind die Erklärungen noch dazu viel zu billig.

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      • Ja, wobei das mit den Aalen checken die meisten wahrscheinlich nicht, weil sie nicht über den Film nachdenken. Könnte ich mir zumindest vorstellen. Ich hab auch einen Moment gebraucht, trotz seiner Erklärung. Aber ja, da hast du recht, wenn sie ein bisschen was offen lassen würden, wäre es besser gewesen. Auf das Exploitation-Inzest-Dings gegen Ende hätte ich aber auch so verzichten können …da hat es auch keine Erklärung gebraucht. Irgend sowas in der Art hat sich von Anfang an angedeutet :-/

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    • Eieiei, das altbekannte Inzest-Ding war in seiner nervtötenden Over-the-top-Dramatik richtig peinlich. Als der Obermacker dann auch noch aussah wie so eine Gestalt von Davy Jones‘ Schiff (Pirates of the Caribbean Nr. 2), war ich fast schon am Lachen. Ganz übel. Dagegen waren die Aale schon wieder Arthouse.

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