Shyamalan, du Flachpfeife! / M. Night Shyamalan – Split (2017)

Ein Plot, der für Aufregung sorgte, ein Film, der dann richtig Erfolg hatte: M. Night Shyamalans Split. Shyamalantypisch ein Thriller, dieses Mal aber auch mit Horrorelementen, wenn auch alles menschlich motiviert. Also ähnliche Genrelage wie bei seinem durchweg ordentlichen Vorgänger The Visit (2015). Wir haben drei Mädchen, die entführt werden, von einem Typen, der satte 23 Persönlichkeiten besitzt und jetzt… ja, am besten sind die Girls klug und nutzen die verschiedenen Identitäten, um den Entführer gegen sich selbst auszuspielen. Klar, ein sehr effekthascherisches, aber wirklich spannendes Setting. Einfach, weil hier schön mit versteckten Potentialen gespielt wird, einem Horror, der sich nicht leicht fassen lässt. Im Idealfall also ein Film, der den Horror als ungreifbares, unberechenbares Grauen inszeniert, wie ich es in meinem Blog gerne feiere. Der psychopathologisch gebrochene Entführer, der plötzlich die Persönlichkeit wechselt, wenn man ihn zu erkennen glaubt, entspräche genau meiner Maßgabe für richtig guten Horror:

Das vermeintlich Bekannte wird schließlich schnell zum Unbekannten und erschrickt in dem Moment, da die klare Weltwahrnehmung bricht, man förmlich den Boden unter den Füßen verliert, da alle Wissenskoordinaten ungültig werden. Desorientierung ist die Folge.

Aber gut, Shyamalan ist der richtige Mann für enttäuschte Erwartungen – absolut kein Geheimnis. Und er verkackt es auch hier. Nicht nur, dass er von den 23 Persönlichkeiten irritierend wenige herauskramt und kaum mit der Plötzlichkeit der Verwandlung arbeitet. Nein, er muss auch fett mit Erklärungen daherkommen, ziemlich banalen Psychologisierungen, warum denn der Entführer so geworden ist und warum er denn entführt. Aber darf natürlich auch nicht zu psychologisch werden – deshalb gibt es gegen Ende auch noch einen peinlichen Mystikaufsatz, der nur genauso plakativ serviert wird wie all die Küchenpsychologie. Und schon ist allerlei Ungewissheit dahin, der Horror fein säuberlich erklärt und eingeordnet. Ja, Etiketten auch in der Kunst… Shyamalan, du Flachpfeife!

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10 Gedanken zu “Shyamalan, du Flachpfeife! / M. Night Shyamalan – Split (2017)

  1. Den wollte ich mir ja eigentlich auch noch ansehen, aber irgendwas hält mich die ganze Zeit davon ab. Kann mir schwer vorstellen, dass es bei 23 Persönlichkeiten stimmig bleibt und nicht ins Schaustellerische abdriftet. 7 oder so fänd ich wesentlich plausibler. Aber naja…

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    • Interessanterweise ist der Film auf seine Art schon recht stimmig. Dadurch, dass nur wenige Persönlichkeiten vorkommen, kann sich der Film auf eben die konzentrieren. Dann finde ich es aber lahm, vorher großspurig, so viele Persönlichkeiten anzukündigen. Ist jedenfalls ein kreuzbraver Film geworden und als solcher vielleicht auch keine Enttäuschung. Aber eben auch superflach.

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    • Ja, einerseits mag das beruhigend sein, auf der anderen Seite bringt diese Konzentration Shyamalan leider nix, wenn er sie mit Blubber füllt. Aber schau dir den Film gerne mal an, mich würde sehr interessieren, wie du den findest, da du mit ganz anderen Erwartungen/Wünschen rangehst!

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  2. Ja, der Shyamalan hat in seiner Filmografie leider einiges verkackt, aber ich muss gestehen, dass ich sein Aufeinandertreffen von Menschlichkeit, Mystizismus und Wille des Einzelnen oft sehr faszinierend finde. Meistens mag ich seine Helden auch sehr gern. Es gibt da zwar ein, zwei Griffe ins Klo in seiner Filmografie, aber ich finde man merkt ihm und seiner Art Filme zu machen unheimlich an, dass er das Kino liebt. Es gibt nur wenige, denen man es mehr anmerkt wie Tarantino. Eigentlich fand ich seine „Küchen-Psychologie“ ganz interessant. V.A. den Gedanken, dass die Persönlichkeiten zu immensen Leistungen imstande sind und sich sogar physisch voneinander unterscheiden. Natürlich ist der Ansatz der 24. Persönlichkeit, die ein echtes Biest ist, einerseits ein bisschen „einfach“, andererseits ziemlich cool. Was mich mehr gestört hat sind die ach so einfachen Tropen typischen Popcorn-Kinos wie die Mädchen an sich, die unvorsichtige Psychiaterin etc. Aber eine Flachzange würde ich ihn trotzdem nicht nennen 😉

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    • Mir gefällt dieses Aufeinandertreffen wenig, weil es bei Shyamalan oft auf ziemlich klischeehafte oder pathetische Szenen hinausläuft. Gerade dieses Biest war weniger gruselig als einfach over-the-top und ziemlich albern. Da wird mit ganz großen Begriffen gespielt, aber letztlich krabbelt da doch nur so ein brüllender Spinner durch den Raum, der nichtmal besonders gruselig aussieht, sondern eben wie ein superstarker Mensch, da hätte man z.B. viel mehr mit Maske, Licht/Schatten und weniger mit Kraftposen arbeiten müssen. So ist es leider eben vor allem kitschig, vielleicht cool, aber zum Setting hätte eher was Unheimliches gepasst.
      Die Grundlage seiner Psychologie finde ich auch interessant (und gar nicht mal falsch/übertrieben) und in ihren Ansätzen auch gut umgesetzt, aber irgendwann schmeißt er dieses subtile Potential leider über den Haufen und kommt mit dem Erklärbär um die Ecke, der notfalls auch mystisch spricht.
      Okay, und über die Mädchen und die dämliche Psychotherapeutin müssen wir gar nicht erst reden… Eieiei. Freut mich aber, dass dir der Film Spaß gemacht hat – darum geht es ja auch, wenn man ins Kino geht!

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