…und dann ficken sie im Dreck / Mladen Djordjevic – Život i smrt porno bande (2009)

Was macht der Künstler, der mit der aktuellen Lage seines Heimatlandes unzufrieden ist? Na ja, er kann einen explizit politischen oder implizit politischen Film drehen. Für die richtige Reichweite sollte aber auch der implizit politische Film aggressiv genug sein. Das ist Mladen Djordjevic mit Leben und Tod einer Pornobande gelungen. Sein Heimatland ist Serbien und sein Film zwar kein expliziter Aufschrei gegen ein Land, das durch Kriege gebeutelt und desensibilisiert wurde, dafür aber eine dreckige Kreuzung aus Pornoabenteuer und Terrorfilm. Eine hippiehafte Gruppe aus Pornokünstlern tingelt durch das serbische Land und versucht die Bevölkerung durch ein Pornotheater herauszufordern. Was allerdings schnell klar ist: Einerseits ist das schon zu viel, andererseits nicht genug. Denn die Bevölkerung ist nicht bloß zu prüde, sondern auch aggressiv und verlangt an anderen Punkten sogar nach mehr: Gewalt muss her. Also überredet ein alter Herr die Bande, doch ein paar Snuffvideos zu drehen: Morde vor laufender Kamera als ultimativ befriedigende Kunstform.

Das Plotgerüst erinnert manchen Horrorfreund sicher an einen anderen serbischen Film, der mit seiner Sex-Snuff-Thematik für große Kontroversen sorgte: A Serbian Film (2010). Beide Filme zeigen ein Serbien, das normalen Sex gar nicht mehr vertragen kann, das vielmehr in Vergewaltigungsfantasien hängt, überhaupt vom Krieg nachträglich kaputtkonditioniert wurde. Mittlerweile ist Gewalt zum Genuss stilisiert, emotionale, liebevolle Zugänge zum Körper scheint es nicht mehr zu geben. Entsprechend scheitert die Pornobande mit ihrem offenen Ansatz der sexuellen Befreiung. Die Gesellschaft lässt sich nicht überzeugen, sie zieht schließlich auch ihre progressiven Kinder in den Abgrund. Und erst dort darf dann Kunst sein. Ein Skandal? – Ein ziemlicher Hilfeschrei, will ich meinen. Dass der Film dann auch noch so unverschämt flott, teilsweise richtig schrill erzählt wird, lässt den Genuss schnell zum Cocktail aus Batteriesäure verkommen. Fies lecker. Ein kluges Ding.

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