Farben, wollt ihr mich verarschen? / Panos Cosmatos – Beyond the Black Rainbow (2010)

Wir alle lieben bunte Farben und finden es ganz großartig, wenn ein Film ordentlich strahlt. Große Schwarzweißmeister mögen wir natürlich auch, aber eine gelungene Farbdramaturgie reißt doch jeden Film raus. Das wird für manchen dann etwas schwieriger, wenn ein Film seine visuellen Qualitäten dann noch weiter treibt und eventuell vor allem auf Bild und Ton setzt, die Handlung vielleicht ganz aussetzt oder nur audiovisuell erzählt. Filme wie Only God Forgives, Enter the Void, aber auch Terrence Malicks neuere Filme machen das sehr gern und sind deshalb auch sehr umstritten. Style over Substance, selbstgefälliger Schrott. Während das bei Malick mit seinen Kitschpanoramen natürlich zutrifft und auch eine tibetanische Drogenvision wie Enter the Void trotz dreckiger Atmosphäre ihre esoterischen Eskapaden besitzt, ist ein Film wie Only God Forgives schon schwieriger zu werten: Was zum Teufel will dieser Film von mir? Farben, wollt ihr mich verarschen? Eben das gilt auch für Panos Cosmatos‘ hierzulande leider unveröffentlichtes Debüt Beyond the Black Rainbow.

Ein sadistischer Wissenschaftler (großartig: Michael Rogers) hält ein übernatürlich begabtes Mädchen in einer ominösen Einrichtung gefangen. Doch das Mädchen flieht. Klingt nach einem weiteren Superheldenblockbuster, ist es aber nicht. Denn hier geht es nicht um den Kampf Gut gegen Böse oder um irgendwelche Identitätsfindungen – die Handlung wird gar nicht weiter ausgeführt. Vielmehr wird die Einrichtung selbst zum Protagonisten: flackernde Farbflächen, neonstrahlende geometrische Formen, Nebel und seltsame Flashbacks. Die Verfolgerhandlung ist schnell vollkommen zerfallen, vor allem werden die unheimliche Vergangenheit der Einrichtung und die des Forschers erkennbar. Wenn auch nur in ihren düsteren Konturen. Denn eigentlich „erzählt“ wird nicht. Vor allem werden Bild und Ton suggestiv-assoziativ miteinander kombiniert und das mit einer radikalen Wucht, die trotz der Abstraktheit des Films druckvoll wirkt. Auch, weil der dröhnende Soundtrack atmosphärisch enorm zieht und mit seinen Synth-Elementen auch etwas Retroatmosphäre bietet. Das ist überhaupt die einzige allzu erkennbare Genrereferenz: 80er-Sci-Fi. Der Rest ist ein audiovisueller Horrortrip. Also: Sofort importieren oder anderweitig gucken und flashen lassen!

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6 Gedanken zu “Farben, wollt ihr mich verarschen? / Panos Cosmatos – Beyond the Black Rainbow (2010)

  1. Oh, spannend! Diese Sache mit dem Retrolook ist also nicht unbedingt was, dass die relativ aktuellen Filme für sich wieder entdeckt haben. Denke da an Look und Feel von Stranger Things oder It Follows. Danke auf jeden Fall fürs teilen, denn von dem Film habe ich noch nichts gehört – schade eigentlich. Und schade, dass er hier nicht veröffentlicht wurde. Geht mir bei einem Lieblingsfilm von mir genauso – The Hunger. Aber da bekommt man immerhin eine DVD aus UK.

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    • Sehr guter Vergleich. Der Retrolook ist ja überall zu sehen, da macht dieser Film wirklich keine Ausnahme. Ist natürlich ungleich experimenteller als die von dir genannten Kandidaten (auch wenn ich „Stranger Things“ noch nicht gesehen habe, gehe ich mal davon aus), aber steckt natürlich voll im Trend. Wenn’s gut gemacht ist, sehr gerne…!
      Glücklicherweise kann ich mir den Film auch relativ günstig importieren lassen, was ich definitiv noch tun werde. Und dann auf der größtmöglichen nahen Leinwand gucken…!

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