Haruki Murakami – Hard-boiled Wonderland und das Ende der Welt (1985)

Natürlich darf ein Murakami auf meinem Blog nicht fehlen. Der Japaner gilt schon längst als hipper Schriftsteller, der nur zu gerne im Surrealismus wühlt. Also habe ich mir einmal eines seiner wohl verrücktesten Werke herausgegriffen und gelesen. Hard boiled Wonderland hat eine klare Doppelstruktur. Einmal wird die Geschichte eines Kalkulators (eine Art Programmierer) erzählt, der an einen seltsamen Professor gerät, welcher ihn scheinbar nur für Codierungsverfahren einsetzt, tatsächlich aber in zunehmend gefährlichere Tätigkeiten verwickelt, die sogar seine Persönlichkeit gefährden. Die andere Handlung zeigt einen Charakter, der in eine abgeriegelte Stadt kommt, die jenseits allen Außens liegt und von fantastischen Elementen wie Einhörnern und Traumlesern geprägt ist. Wer hineingelangt, gibt seinen Schatten und damit langsam den Anspruch auf seine Seele ab. Zunächst laufen beide Handlungen in kapitelhaftem Wechsel weitgehend unabhängig vor sich hin. Während erstere ironisch und mit der nötigen Sci-Fi-/Fantasy-Action daherkommt, ist zweitere eher in intropektivem, nachdenklichen Ton. Die beiläufigen Verweise der Geschichten aufeinander nehmen aber zu und bald weiß der Leser, wie beide Handlungen miteinander zusammenhängen.

Man liest es schon: Wirklich verrückt ist Hard-boiled Wonderland nicht. Obwohl Murami gerade in der zweiten Erzählung einige sonderbare Szenen versammelt, etwa die diffuse Interaktion des Protagonisten mit einer Mauer, werden doch immer wieder klärende Gespräche eingesetzt. In seiner Sci-Fi-Handlung wagt das Buch zwar einige hirnversponnene Theorien, die durchaus herausfordernd sind, jedoch wird der Leser nie in Sackgassen geschickt. Weder intellektuell noch auf Erscheinungsebene. Die meisten Elemente kennt man aus diverser Sci-Fi- oder Fantasyliteratur. Irreal und sonderbar bleibt nur die enge Verknüpfung beider Welten, die zwar motiviert wird, in ihrem dichten Clash von kühler Dystopie und fantastischer, ruhiger Überwelt ihren surrealen Charakter aber nie ganz verliert. Mitsamt der einfachen, gerne saloppen Sprache Murakamis also ein gut konsumierbares, aber trotzdem interessantes Buch. Wenn man will, kann man ein wenig darüber nachdenken, vor allem aber ist es geschickt montierte, bisweilen nachdenkliche Mitfühl- und Unterhaltungsliteratur.

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