Best of Buñuel: Le fantôme de la liberté (1974)

Wir kommen auch schon zum Ende meines kleinen Best-Ofs. Der Grund ist einfach: Das Niveau der rezensierten Filme ist einfach zu hoch als dass man da noch mehr finden könnte. Aber es spricht schon mal für den guten Buñuel, dass er ganze vier Meisterwerke gezaubert hat. Ansonsten natürlich auch andere tolle Streifen, von denen ich folgende durchaus surrealistische Vertreter vorab noch einmal am Rande empfehlen möchte: El ángel exterminador (1962), La voie lactée (1969), Cet obscur objet du désir (1974). Den allerorts gehypten Belle de jour (1967) halte ich hingegen für eher lahmen Käse, der ziemlich verkrampft versucht, radikal zu sein.

Wirklich radikal, und damit endlich zum letzten großen Film von Buñuel, ist sein Fantôme de la liberté. Kein Film seines Spätwerks kommt in seiner surrealistischen Radikalität so nahe an sein Frühwerk wie dieser. Und da es es sein zweitletzter ist, kann man durchaus von einem geschlossenen Kreis sprechen. Nur lose verbunden werden hier verschiedene, hoch seltsame Situationen gezeigt. Mal sieht man einen Baudenkmalfetischisten, mal einen gefeierten Serienkiller, mal eine seltsame Toiletten-Ess-Installation, mal ein sichtbar-unsichtbares Kind. Wieder relativ realistisch inszeniert, führt Buñuel seine Abneigung gegenüber Kirche und Bürgertum hier auf die Spitze. Alle rituellen Anlagen der Gesellschaft werden bis ins äußerst Sinnverdrehte ad absurdum geführt, mal mehr, mal weniger klar erkennbar. Auf jeden Fall ist sein surrealer Angriff in vielen Punkten immer noch zielgerichteter als sein Frühwerk. Sofern man nicht auf verrückte Scheiße steht, sollte man aber trotzdem vorsichtig an dieses Werk gehen. Eine klare Handlung gibt es nicht, eher bleibt es bei einer surrealistischen Nummernrevué wie man sie in Ansätzen etwa von Monty Python kennt. Einsteiger verweise ich also direkt an den Vorgänger Le Charme discret de la bourgeoisie (1972), danach aber direkt an diesen Knaller und dann ans Frühwerk (Hund & Goldenes Zeitalter), das nochmal all das in den Schatten stellt. Wie gesagt: Buñuel hat seine Maßstäbe. Sicher einer der visionärsten Filmmacher des 20. Jahrhunderts und Pflicht für jeden, der surreales Kino liebt.

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