Aldous Huxley – The Doors of Perception (1954)

Meinem ersten Besuch eines Psychonauten, Ernst Jünger, soll nun ein zweiter folgen. Also direkt zu Aldous Huxley. Auf ihn geht der wohl populärste Essay der Drogenkultur der 60er zurück, alleine weil er den Namen der berühmt-berüchtigten The Doors inspirierte. Von Popkultur und Morrisons theatralem Schamanismus ist darin allerdings wenig zu spüren. Huxley ist ein zu philosophisch und geistesgeschichtlich geschulter Intellektueller, Rausch und Dionysos steht er eher skeptisch gegenüber. Ihm geht es um das gelebte Experiment mithilfe von Meskalin Erkenntnisse über den Menschen in seinem Verhältnis zur Welt zu erhalten. Also klassischste Erkenntnisphilosophie, nur eben mithilfe einer Droge, die im 20. Jahrhundert auf synthetischer Ebene verfügbar wurde.

Sein Trip unter Beobachtung, der ihn durch das eigene Haus, den Garten, aber auch in der Stadt führt, gestaltet sich als hoch kontemplativ. Er beobachtet Dinge, dringt zu ihrem Wesen vor, setzt ganz außergewöhnliche Maßstäbe der Betrachtung, isoliert sich auch von seinen Beobachtern. Seine besondere Betrachtung schließt etwa den Faltenwurf auf Gemälden, Sonnenstrahlen auf dem Liegestuhl oder die Beine eines Sessels ein. Die Erkenntnis: Alles ist in einem und eines in allem. Wem das bekannt vorkommt, der denkt vielleicht an den Buddhismus, vielleicht auch an die Hippie-Subkultur, die Huxley schließlich auch inspiriert hat. Und definitiv wollte er inspirieren. Am Ende bedenkt er vorsichtig, dass eine wohldosierte Menge Meskalin der Gesellschaft, deren Suchen nach dem Selbst-Überkommenden wirklich gut tun würde, jedenfalls eher als Alkohol und Zigaretten. Ein Argument, das wir aus dem Streit um die Cannabis-Legalisierung sicher kennen. Jedenfalls macht es Spaß, einem wortgewandten, klugen Mann wie Huxley beim Trippen beizuwohnen, auch wenn man mit dem Erkenntniswust erst einmal klarkommen muss. Try it out:

Die Bambusbeine des Sessels zum Beispiel – wie wunderbar war ihre Röhrenförmigkeit, wie übernatürlich ihre polierte Glätte! Ich verbrachte mehrere Minuten – oder waren es mehrere Jahrhunderte? – damit, diese Bambusbeine nicht nur anzusehen, sondern sie tatsächlich zu sein – oder vielmehr, ich selbst in ihnen zu sein; oder, um mich noch genauer auszudrücken […], mein Nicht-Selbst in dem Nicht-Selbst zu sein, das der Sessel war.

(Aldous Huxley: Die Pforten der Wahrnehmung. Meine Erfahrung mit Meskalin. Aus dem Englischen von Herberth E. Herlitschka, München 1953, S. 18.)

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