Lana Del Rey und ihr Fick mit dem Mainstream

Haha, erster Schritt zur Umwertung: Ich schreibe über Lana Del Rey auf diesem Blog. Wenn man diese Kunstfigur vor Augen hat, geht es natürlich zuallererst um White Trash-Allüren, aufgespritzte Lippen, Bombast-Pop und manchmal auch eine Referenz auf Hollywood-Noir, Glamour and Decay. Mit letzterem ist man dann auch schon näher an meinem Blog. Denn Lana Del Rey feiert nicht nur das Schillernde, sondern lässt es förmlich zum Exzess, zur abgeschlossenen, bisweilen verstörenden Wirklichkeit werden. So singt sie im Song „Off the Races“ wie sie sich im Lolita-Look für ihren Liebhaber prostituiert, sich seiner versifft-dominanten Herrlichkeit beugt. Dazu schwenkt sie ihre Stimme in quierligste Register, stellt das süß-devote Girl nach. Ein Song, der seine fatale Schockwirkung im zuckersüßesten Moment offenbart. Überhaupt, wie in ihrem weit weniger bekannten „Gods & Monsters“, stellt sie ebenfalls fatal verblendet/verkitscht fest: „When you talk it’s like a movie / Making me go crazy“, und sie deutet final: „‚Cause life imitates art“. Lana Del Rey ist eine Kunstfigur und macht daraus keinen Hehl. Sie greift sich die Popklischees, steckt sie zu eingängig-tanzbaren bis schwelgend-träumerischen Popsongs zusammen und übersteuert sie bis zum irritierenden Absoluten. Keine Authentizitätslügen, Lana existiert für sich selbst.

Was andere Popsongs im Subtext mit sich herumschleppen, formuliert sie konkret und macht es so reflektierbar, teilweise bis ins Satirische: „Money is the reason we exist / Everybody knows it, it’s a fact / Kiss, kiss“ („National Anthem“). Indem sie dabei den illusionsreich-devoten Mädchencharme mit der tief-betörenden Sinatra-Stimme kombiniert, vermengt sie Hollywoodklischees mit tiefster Dekadenz. Sie liebt den Exzess, die Abhängigkeit, das pralle Kirschrote und die amerikanische Freiheit. Nur ist diese Freiheit für sie ohne Frage mit Drogen, Geldkonsum, pädophilen Neigungen verbunden, Liebe ist ein abgeschlossener Raum ohne die eigene Person – alles wird Kunst und damit verantworungslos. Ihre radikale Musik nistet sich so im Mainstream ein, verzuckert ihn, übersteuert dessen fatale Attraktivität aber gleichzeitig zu sehr, als dass man ihr keinen reflektierten Umgang damit unterstellen könnte. Keine Kapitalismuskritik, sondern die Geilheit des Kapitalismus zur übergrellen Vision verzerrt. Und damit trifft sie dessen eigentliches Wesen. Geld ist kein Mittel mehr, sondern das Ding selbst. Prostitution und Selbstaufgabe treten damit so nahe an das Wesentliche, dass sie zur echten Option werden: „Fucked My Way Up to the Top“. Wer nicht richtig hin hört, findet das nur gefährlich, wer kritisch damit umgeht, erkennt die zynische Note. Großartig.

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2 Gedanken zu “Lana Del Rey und ihr Fick mit dem Mainstream

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