Der künstlerische Skandal

ARTE ist aktuell sehr vorbildlich unterwegs und bringt mit dem Summer of Scandals statt Fertigkost wie Sommerkino im Ersten oder Heiße Nächte im ZDF viele zumindest mittelfiese Streifen ins Abendprogramm, noch dazu haut ihr Format TRACKS täglich Sendungen zu Skandalkünstlern aus dem Archiv. So viel aber auch schon zur Werbung (die dieses Format definitiv verdient hat, denn welcher Sender macht heute noch sowas Radikales?) und hin zur Frage: Warum braucht es eigentlich Skandale? Dass jeder Zuschauer zumindest stückweise davon fasziniert ist, eine gewisse Angstlust daran hat, darf man ja als bekannt hinnehmen.

Vielleicht genauso bekannt, aber wichtig: Künstlerische Skandale räumen auf, schichten um, machen dem Zuschauer manchmal Dinge bewusst, die sonst vielleicht im Alltagsbewusstsein verschwemmt werden. Das rechtfertigt nicht unbedingt heftigste Skandalbrüche, also jede Intensität des Skandals, den Skandal als Mittel aber schon. Man muss ja nicht unbedingt einverstanden sein, wird es wahrscheinlich auch nicht vollkommen sein, kann aber die Hintergründe verstehen. Manchmal sind Skandale sogar indirekte Hilfeschreie innerhalb verwachsener Strukturen, dann, wenn sich ein Künstler etwa als gefangen betrachtet und so ausbrechen kann, mit der Vehemenz, die es braucht, die entsprechenden Strukturen zu zerschlagen. Ob danach ein produktiver, konstruktiver Umgang mit der Sache möglich ist, ist dann nicht mehr Sache der Kunst, sondern der Rezipienten, vor allem aber der professionellen Kritik. Ihr muss es gelingen, den Skandal sachlich zu erfassen und zum geeigneten Diskussionsgegenstand zu machen. Und ja, auch die ausgelösten Gefühle kann man schließlich diskutieren.

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