Fernando Arrabal – Viva la muerte (1971)

Fernando Arrabal darf man sich vormerken, wenn man auf brachial-surreale Staubwelten steht, wie man sie vor allem aus Filmen wie El Topo, aber auch in Holy Mountain oder Fando y Lis (1968) kennt. Kein Zufall, denn der Großmeister der zweiten Welle des Surrealismus Alejandro Jodorowsky (zwischen den Königen Luis Buñuel und David Lynch) war mit Arrabal bei der Gründung des Mouvement panique 1962 beteiligt. Fando y Lis geht sogar auf ein Theaterstück Arrabals zurück. Diese Bewegung war, wenig überraschend, eine Mischung aus Surrealismus und Gewaltexzess. Passend zur natürlichen Affinität des Surrealismus für Brutalität und Subversion (Buñuels Erstling beginnt entsprechend mit der übelsten Eröffnungsszene des ersten Filmjahrhunderts).

Arrabals Film also ist genau um das Thema von Gewalt und Unterdrückung angeordnet, aber auch um die Erotik darin. Der kleine Fando (oh Zufall bei der Namensgebung?) verliert seinen Vater an das Franco-Regime, an dessen politischer Festnahme scheint die Mutter wiederum nicht ganz unbeteiligt. Gleichzeitig spürt Fando ein Verlangen nach ihr, verzehrt sich in fetischhaft-surrealen Fantasien, in denen gefangener Vater und freie Mutter in diffus-sadomasochistische Konstellationen treten. Der Faschismus als SM-Posse also? Nicht ganz, denn Arrabal meint es mit seinem verzweifelten Ruf nach Freiheit zu Zeiten der Unterdrückung ernst. Die imaginierte Folter am Vater ist drastisch, die Mutterfigur erscheint mal als kalt, mal als gewaltgeil, Fando findet die Nähe zu ihr nur in seiner verschrobenen Imagination. Es ist eine hoffnungslose Situation, in der nur die Fantasie bleibt. Doch auch die bricht in die Realität ein, eine Flucht durch den Kopf gibt es nicht. Das ist Surrealismus, das ist grausam.

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