Psychoartflicks von Kevin Kopacka

Man will ja nicht nationalistisch argumentieren, weil das dumm und reduzierend, im schlimmsten Falle ausgrenzend wirkt, aber irgendwie freut es mich ja doch, wenn aus dem deutschsprachigen Raum wunderbar radikales Kino kommt. In diesem Fall sinds Kurzfilme, zwei Stück, vom jungen österreichischen Regisseur Kevin Kopacka. Äußerst assoziativ angelegt, sind beide Filme weniger darauf aus, äußere Ereignisse darzustellen, als vielmehr den Seelenzustand ihrer Protagonisten in irreale Innenräume zu übersetzen. Die beiden vorgestellten Filme sind Teil einer Trilogie, deren dritten Teil ich hoffentlich auch bald sehen kann. Hades ist als Vimeo-Video angehängt und dauerhaft konsumierbar, Tlmea ist noch bis Donnerstag auf derselben Plattform zu finden.

Hades (2015, ca. 15 Min.)

In Kopackas Debüt wird die innere Reise der Protagonistin durch die fünf Flüsse des Hades beschrieben. Grund dafür ist eine Trennung von ihrem Freund, die sie so sukzessive vollführt. Kopacka beschreibt diese Reise auf wenige Innenräume begrenzt, in neonhellen Farben und mit einem sprunghaften Schnitt. Der atmosphärisch-psychedelische Soundtrack verstärkt die unheimliche Stimmung und treibt sie bisweilen auf leichte Schockmomente zu. gialloartige Erfahrungen werden greifbar, man erinnert sich an die psychedelischen Innenwelten eines Suspiria (1977). Auch wenn der Film an einigen Punkten noch laienhaft wirkt, ist das starke audiovisuelle Design fesselnd, die Atmosphäre sehr dicht, die mystischen Verschränkungen von Gefühlswelt und mythologischer Vorlage stimmig.

Tlmea (2016, ca. 30 Min.)

Auch der zweite Film Kopackas widmet sich der sukzessiven Innenreise. Zwei Polizisten geraten im Verlauf eines Einsatzes langsam in die Hölle, über neun Stufen. Das erinnert sehr an den inhaltlich (und atmosphärisch!) ähnlich gestalteten türkischen Horrorfilm Baskin (2015), ist aber deutlich assoziativer angelegt. Auch wenn es dieses Mal reichlich Dialoge gibt, durchaus auch viel farbfilterferne Alltagskommunikation, zerschießt Kopacka alle fassbare Dramaturgie. Das Konzept geht hier jedoch weit weniger auf. Die heterogene Mischung aus Alltag und Traum, teils durchaus gelungen miteinander verquickt, besitzt bei weitem nicht die Faszination des atmosphärisch geschlossenen Hades. Während dort zumindest noch räumliche Kontinuitäten und viel Luft für Stimmungen gelassen wurden, geht es hier viel zu angestrengt hin und wieder her als dass wirklich Atmosphäre entstehen würde. Schade, denn rein handwerklich tritt Kopacka hier noch versierter auf. Aber mal schauen. Man darf gespannt bleiben.

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