Schräges Gegenwartskino

Jeder, der auf krasses, irgendwie schräges, abgefucktes, wunderschönes Kino steht, darf sich freuen. Gleich drei schräge Filme laufen in Deutschland an und versprechen Großes. Vor allem, wenn man die Filmografie der Regisseure bereits kennt. Also mal ein kurzer Überblick durch den Kenner, oder so.

Ben Wheatly – High Rise

Ben Wheatly ist ein britischer Independent-Regisseur, den ich für seine genresprengenden Experimentalfeuerwerke Kill List (2011) und A Field in England (2013) sehr schätze. Gerne nimmt er greifbare Ausgangssettings, etwa einen Profikiller auf gefährlicher Mission oder Schatzsucher während dem Krieg, führt sie dann aber in ziemlich abgefuckte Situationen, die nicht selten auch verstörende Züge tragen. High Rise nimmt sich nun einem doch eher ungewöhnlichen Setting an, einem utopischen Wohnhaus, in dem Menschen ihre ganze Existenz ausleben und leiden. Das erinnert an David Cronenbergs Shivers (1975), wirkt visuell aber weitaus schillernder und verschrobener. Mal schauen, wie sehr Wheatly hier abhebt.

Nicolas Winding Refn – The Neon Demon

Nicolas Winding Refn, der Gewaltästhet des modernen Kinos legt mit The Neon Demon einen ähnlich kühl-schillernden Film wie Wheatly vor. An Refn schätze ich vor allem die Fähigkeit, psychedelisch-düstere Stimmungsteppiche zu schaffen, die teils an Lynch erinnern, in ihrer direkten Art aber auch deutlich extrovertierter erscheinen. Bestes Beispiel ist da der irreal-verschrobene Rache-Thriller Only God Forgives (2013). Sein neuer Thriller führt uns ins Modebusiness und zu dessen verkommenen Mechanismen. Wohl weniger Psychodrama als visuelle Grenzerfahrung. Refn ist ein Mann der schillernden Oberflächen, aber auch einer, der sie gerne in Schönheit zerstört.

Giorgos Lanthimos – The Lobster

Giorgos Lanthimos kenne und schätze ich seit ich dessen Meisterwerk Dogtooth (2009; siehe hier) gesehen habe. In absolut nüchterner Inszenierung (in Kontrast zu Wheatly und Refn) zeigt er dort skurrile gesellschaftliche Prozesse, die in ihrer verstörenden Intensität lange im Hirn haften bleiben. The Lobster bleibt auf dieser Ebene und zeigt uns Situationen von Einsamkeit und Liebe, gebrochen durch die merkwürdige Prämisse, dass die einsamen Menschen schließlich zu Tieren werden. Ein ziemlicher Balanceakt zwischen Sozialstudie und weirdem Kunstkino – muss ich gesehen haben.

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3 Gedanken zu “Schräges Gegenwartskino

  1. Bei Only God Forgives war ich sehr unentschieden, was ich davon halten sollte. Der Trailer zu The Neon Demon schaut hingegen wirklich toll aus. Und dann auch noch Elle Fanning – vielen Dank für die kleine feine Auswahl. 🙂 Hätte ich womöglich verpasst!

    Gefällt 1 Person

    • Freut mich, wenn ich dich etwas inspirieren konnte!
      „Only God Forgives“ ist ja ein recht umstrittener Kandidat und „Neon Demon“ scheint es, soweit ich einige Kritiken überflogen habe, wohl auch zu werden. Refn reizt seine krasse fuck-you-all Kunstnummer wohl nun endgültig aus. Ich steh voll drauf und freue mich jdf.

      Gefällt 1 Person

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