Akiz – Der Nachtmahr (2015)

Deutsche Genrefilme sind ja nicht unbedingt zahlreich vertreten, vor allem nicht, wenn sie ästhetisch radikal sind. Trotzdem lässt sich in letzter Zeit einiges auf dem Markt beobachten. Filme wie Wild (2016), Victoria (2015) oder Love Steaks (2013) zeigen, auch international gesehen, auffallend eigensinnige filmische Annäherungen. In diese Reihe ordnet sich auch Der Nachtmahr ein, wobei dieser Film ästhetisch wohl am radikalsten ausfällt. Alleine die visuell brutale Raveszene zu Beginn flackert dem Zuschauer die Augen weg, dazu gibt es merkwürdige Verschränkungen in der Zeit- und Erzählperspektive, die Kategorien wie Leben und Tod kurzerhand ineinander auflösen. Man denkt da sicher nicht zu Unrecht an David Lynchs Meisterwerk Lost Highway und dessen wahnwitzige Twists.

Akiz, der seinen Film mit nur 100.000€ Budget an allen Filmförderungen vorbeiproduzierte, hat jedoch eigene Ziele. Ihm geht es weniger um einen Abfuck auf allen Sinnesebenen oder einen Film, der seine Botschaft vor allem durch die Form transportiert. Er hat eine klare Geschichte über ein Mädchen zu erzählen, das sich entfremdet und sehnsuchtsvoll ihren eigenen Ängsten stellen muss, die hier als Monster vor ihr Auge treten. Nimmt man also die visuell harsche Komponente weg und den metaphorischen Gehalt des Films ernst, hat man es schnell mit einem irrealen, aber doch greifbaren Psychodrama zu tun. Überhaupt sind die visuell krassen Szenen nur der Auftakt, denn der Film bleibt trotz seiner flott-rauen Inszenierung daraufhin weitgehend brav und kündigt seine Seelenverwandtschaft mit Gaspar Noé düster-verdrogten Enter the Void schnell auf. Dafür gibt es ironisch-groteske Szenen, ordentliche Effekte und, doch typisch deutsch, viel Raum für Angst und Nachdenken, pure teenage angst. Gut geschauspielert und mit schönen Ideen, nicht weltbewegend, aber ein Arschtritt fürs deutsche Kino und seine Filmförderung: Seid endlich mutiger!

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5 Gedanken zu “Akiz – Der Nachtmahr (2015)

  1. Ich hab es immer noch nicht geschafft, ihn zu sehen. Dabei stand der Film in meiner Jahres-to-watch-Liste ziemlich weit oben. Allein schon aufgrund der filmischen Konzeption. Damn, zu wenig Zeit für zu viele Filme…

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