Best of Buñuel: Un Chien Andalou (1929)

Diese Reihe wird sich mit meinen Lieblingsfilmen vom großen Filmmeister Luis Buñuel auseinandersetzen. Dabei geht es, um diesem Blog und überhaupt meinen Vorlieben treu zu bleiben, ausschließlich um seine surrealistischen Filme.
Beginnen möchte ich mit dem wahnwitzigen Frühwerk. Sein erster Film Un Chien Andalou toppt bis heute die meisten irren Filme. Was Buñuel und sein Künstlerfreund Salvador Dalí hier für ein Ideenfeuerwerk abbrennen, bleibt eigentlich ungeschlagen. Das Drehbuch setzt sich aus verschiedenen Träumen der beiden Regisseure zusammen, nur lose durch das räumliche Setting einer kleinen Wohnung, einer Straße, eines Waldes und eines Strands verbunden, ebenso durch die wenigen Hauptdarsteller. Der Film ist mit seinen etwa 17 Minuten auch äußerst kurz und ballt daher enorm viele irreale Bilder auf engstem Raum. Entsprechend durcheinander wirkt das ganze und würde als solches vielleicht auch als Reizüberflutung untergehen, jedoch sind die Regisseure nicht daran interessiert, flüchtige Bilder zu schaffen. Eher sieht man hoch eindrückliche, skurrile bis grauenerregende Bildkombinationen die frei nach der Kombinatorik des Surrealismus getrennte Sinn- und Bildwelten zusammenführen. So wird in einer Szene der Wolke, die den Mond schneidet gleich, der Augapfel einer Frau zerschnitten. Oder: Ein Mann verfolgt eine Frau, indem er zwei Klaviere gefüllt mit Eselskadavern und zwei Priestern hintendran hinter sich herzieht. Absoluter Wahnwitz. Noch dazu gibt es durch die vollkommen willkürlichen Zwischentitel abrupte, unerklärliche Zeitsprünge. Netter argentinischer Tango düdelt neben Wagner im Hintergrund. Absoluter Wahnwitz. Den einen schockierts, den anderen irritierts – ich finde diese Hirnwichserei höchst erfrischend, kreativ und angenehm aggressiv. Ein Klassiker des kaputten Films.

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12 Gedanken zu “Best of Buñuel: Un Chien Andalou (1929)

    • Ja, deine Reaktion hätte Buñuel in seinem Anliegen schockieren zu wollen, sicher bestätigt. 😉
      Inwiefern hast du dich denn medienwissenschaftlich damit auseinandergesetzt. Klingt interessant!

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      • Ich hatte damals im Studium ein Seminar zum „Surrealismus im Film“. Ausgehend von der französischen Surrealistengruppe rund um Andre Breton (Bunuel und Dali waren da ja ebenfalls involviert) und seinem auslösenden Werk „Manifeste du Surréalisme“ haben wir da den einen oder anderen Film auseinandergenommen: Angefangen natürlich bei Bunuel, über Resnais und Jodorowsky bis zu Lynch und Cronenberg.

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    • Wunderbar! Da hätte ich sehr gerne mitgemacht. Gerade auch, da ihr auch den neueren surrealistischen Film theoretisch rückgebunden habt. Passiert ja eher selten und man ist unfundiert schnell mit dem Ettikett „surreal“ bei der Hand.

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      • Ja, mein damaliger Dozent hat derlei Seminare immer gern in den historischen Kontext gesetzt. Ist ja auch durchaus sinnvoll, da Filme irgendwie auch immer Werke ihrer Zeit sind und dennoch auch auf Vergangenes rekurrieren.

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