Guy Maddin – The Forbidden Room (2015)

Guy Maddin ist als Experimentalfilmer nicht unbedingt bekannt, wenn auch im Untergrund oder der Indieszene außerhalb Deutschlands sehr angesehen. Aber klar, wie will man als Experimentalfilmer auch wirklich bekannt werden? Ist das nicht bloß unzugängliche Formspielerei jenseits echten Kinos? Bei Maddin jedenfalls nicht, er nimmt sich vom traditionsreichen Erzählkino, was er braucht und zerhackt es dann nach allen Regeln surrealistischer Kunst, so zumindest in seinem großartig-visionären The Forbidden Room.

Eine wirkliche Handlung hat das Ding nicht, eher geht es um gefühlt tausende Minihandlungen, die durch traumhafte Situationen miteinander verknüpft scheinen. Mal handelt der Film ganz konventionell von einem Farmer, der einen Helfer sucht und unwissend einen gesuchten Banditen aufnimmt, mal von einer Liebesbeziehung zwischen Pyschoanalytiker und Patientin, mal aber auch von einem Holzfäller, der plötzlich in einem U-Boot erscheint. Also mal mehr, mal weniger seltsame Geschichten. Vereint sind sie durch eine wirklich knallig-psychedelische Aufmache: Die theaterhaft-engen Sets, die ihre Künstlichkeit nie verbergen, werden durch eine bunt-verschleierte Kamera eingefangen, der gern auch mal der Film versengt wird. Stummfilmartig rattern Zwischentitel vorbei, die mal informativ, mal vollkommen absurd sind. Ja, der Film fühlt sich schon im Vorspann enorm ver-rückt an – Maddin versucht wirklich mit allen Mitteln die gegebenen Realitäten zu verzerren. Entsprechend erhalten viele Plots auch absurde Wendungen oder enden in vollkommenem Wahnsinn. Wie schließlich der ganze Film von daneben zu vollkommen wahnsinnig schwankt. Für Freunde vollkommen durchgeknallter Filme ein großer Spaß, auch weil der Film voller Liebe zu seinem Medium, voller Anspielungen ist und zudem verdammt viele witzige Pointen enthält. Man merkt: Maddin kennt das Kino und flüchtet sich nicht bloß in Formen. Lieber attackiert er das Kino mit ihnen.

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