Media Monday #252

Auch zur Mitternachtszeit gibt es noch gute Inspirationsmöglichkeiten. Zum Beispiel den neuen Media Monday. Wieder musste ich an einigen Stellen grübeln, gerade bei Frage Nr. 2, denn seltsamerweise werde ich nur selten wirklich enttäuscht. Von demher gab es einen Griff in die tiefste Enttäuschungs-Mottenkiste mit einem echten Enttäuschungsklassiker.

1. Die Geschlechterrollen in Hollywood-Filmen bewegen sich meist doch in reaktionären Mustern. Protagonisten sind meist Männer und wenn einmal eine Frau als starker Charakter auftritt, muss ihr doch zumindest ein tapferer Kerl beiseite gestellt sein (siehe etwa den neuen Mad Max).

2. The Hobbit als Verfilmung wird der Sache nicht annähernd gerecht, denn er trifft weder den naiven Charme der Vorläge, noch funktioniert er als erwachsenes Fantasy-Kino. Er bleibt nett-belangloses Popcorn-Kino. Vergessenswert.

3. Ich trauere ja immer noch über den Tod von Philip Seymour Hoffmann. Wenn der irgendwo mitgespielt hat, konnte man immer was erwarten. Ein unglaublich intensiver Darsteller.

4. Insidious 2 hätte gerne fortgesetzt werden können, denn der fette Cliffhanger am Ende verspricht ja einiges. Hat mich andererseits aber auch geärgert, da dieser zweite Teil den ersten so ideal ergänzt hatte und ich gehofft habe, dass sich da erstmal ein Universum schließt. Aber nein, wo man melken kann, da melkt man. Also gut, dann aber mal her mit der Fortsetzung. Vielleicht ist dann ja mal fertig.

5. Barbarella war ein(e) überraschend großartige(s) Trash-Vergnügen, weil der Film ohne Rücksicht auf moralische Grenzen seinen hemmungslos übersexualisierten Fantasien gefrönt hat. Sehr bildstark und sehr bescheuert – ein großer Spaß!

6. César Aira hat mich dazu verleitet, mehr lateinamerikanische Literatur des Magischen Realismus zu lesen. Diese wilde Fantastik macht süchtig.

7. Zuletzt habe ich die kurze Erzählung Tlön, Uqbar, Orbis Tertius von Jorge Luis Borges gelesen und das war enorm interessant, wenn auch anstrengend, weil Borges hier quasi-dokumentarisch eine ganz eigene Welt beschreibt, auf hochkomplexe philosophische Weise, so komplex in unsere Welt eingebunden, dass es fast gruselig wird.

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8 Gedanken zu “Media Monday #252

    • Ja, ist eher der allgemeine Konsens, beide doof zu finden. Ich finde den zweiten auch nicht ganz so gut wie den ersten, da er schon arg übereilt wirkt, weil er eben alle Hintergründe klären will, während der erste noch in Ruhe seine Bedrohung aufgebaut hat. Intensiv und spannend war er trotzdem.

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  1. Ich verstehe nicht, warum ihr Barbarella so hypen müsst – trashig aber gut? Ein großer Spaß? Wie könnt ihr das so unbedacht positiv belegen? Der Film ist auf das widerlichste sexistisch und frauenfeindlich – da hilft auch die „bildgewaltige“ Machart nichts… Darf ich einen Aspekt einer Sache gut finden, obwohl der größte Aspekt dieser Sache verabscheunswürdig ist? Klar! – aber dann schreibe ich das nicht so unreflektiert „Ja, heftig, aber trotzdem toll!“

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    • Die Anmerkung ist natürlich berechtigt. Ich habe sie insofern auch aufgegriffen, da ich die Moralverletzungen darin beschrieben habe. Expliziert habe ichs dann insofern, dass ich den Film als „übersexualisiert“ genannt habe, was die Instrumentalisierung der Frau darin miteinschließt. Allgemein würde ich das natürlich anprangern, in dem Fall fand ich es aber eher amüsant, weil es so plakativ und unverhohlen war, dass ich es kaum mehr ernstnehmen konnte. Der Film bemüht sich ja kaum zu verstecken, wie schrottig und unfähig er eigentlich ist, daran hatte ich besonders meinen Spaß, weil er einfach blöd-dreist, dabei aber ziemlich kreativ ist. So gesehen habe ich mich über den schäbigen Sexismus lustig gemacht, ihn ausgelacht, nicht befürwortet.
      Schlimmer finde ich ja diverse Filme aus den 50ern/60ern in denen wie nebenbei Frauen vom Mann beherrscht und zum Sexobjekt gemacht werden – starker Mann, devotes Weib. „Barbarella“ zeigt diese Mechanismen nun so plakativ, dass man sich wirklich drüber lustig machen kann. Die Macher versuchen eben ein (bild-)geiles Publikum zu bedienen – das ist enorm schäbig, allgemein sicher zu kritisieren, als Film für mich aber eher lächerlich und somit spaßig. Aber wie gesagt: Ich stimme dir zu, wollte nur klar machen, warum der Film für mich in erster Linie unterhaltsam war. Als Mann ist man da vielleicht aber auch einfach leichtsinniger.

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    • @Alice: Der Film nimmt sich selbst nicht mal ernst. Er ist völlig überzogen. Deswegen Trashig und gut und Kult 😉
      Als der Film lief war Alice Schwarzer wahrscheinlich gerade froh, dass sie häkeln gelernt hatte 😉

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  2. @Wortman: Erstens: Leider nimmt sich der Fim sehr wohl ernst! Das ist ja das Schlimme. Der Film sieht sich selbst nicht als parodistisch! Natürlich wurde er extra so für ein schmieriges Publikum gemacht, aber das kritisiert der Film absolut nicht!
    Zweitens: Dein Kommentar über Alice Schwarzer ist so was von unlustig, ich kann nicht einmal innerlich darüber lachen – jetzt weiß ich, warum du den Film nicht als das siehst, was er ist.
    Und dass mir dein „Humor“ nicht gefällt, hat nichts damit zu tun, dass ich eine Frau bin – ich bin mir sicher, dass dergestalt das genau so unlustig findet – benutze diesen Blog nicht als Plattform für Sexismus und schlechten Humor!

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