New Shoegaze: Candy Claws / LSD and the Search for God

In meinem Genreliebe-Beitrag zum Shoegaze hatte ich bemerkt, dass der heutige, pure Shoegaze eher eine „Untergrunderscheinung“ ist. Entsprechend dürften die beiden hier vorgestellten Bands den meisten Lesern unbekannt sein. Beide eint die Orientierung an breiten Gitarrenflächen, psychedelischer Verzerrung und traumhaft hingeflüsterten oder hingehauchten Vocals.

Candy Claws kenne ich durch ihre Platte In the Dream of the Sea Life (2009). Das Album entspricht seinem Titel klanglich vollkommen. Zwischen und auch in den Songs hört man Wasserrauschen, südländische Klänge und Texte, die immer wieder von Sonne, Meer und den Träumen davon handeln. Auf last.fm hat ihnen das die Bezeichnung „tropical“ eingehandelt. Zum Südseerauschen kommen die prasselnden Gitarrenspuren, das Wabernde des Sounds und die kindlich-fasziniert klingenden, fast geflüsterten Vocals: „The Sun is my Girl“. Die fröhliche Umbefangenheit der Musik schließt deren Radikalität allerdings nicht aus. Die Songs sind förmlich vollgesogen von Klangspuren, alles schichtet und überbietet sich – ein ziemliches Lärminferno aus Glücksseligkeit.

Die schon etwas arg bemüht betitelten LSD and the Search for God entwickeln den Shoegaze anders als Candy Claws nicht in eine neue Thematik hinein. Sie reproduzieren vielmehr die typisch träumerisch-melancholische Atmosphäre von Bands wie My Bloody Valentine oder Slowdive. Das heißt konkret: Ein fein abgestimmter Zusammenklang von jugendlich-schönen männlichen und weiblichen Vocals, psychedelischen Gitarrenflächen und ein bisschen Lärm am Rande. Weit weniger aggressiv als die roh-experimentellen My Bloody Valentine und mehr ins sanft-Träumerische wie bei Slowdive. Das klingt dann alles andere als innovativ, hört sich aber wunderbar und führt immer wieder zu tollen, klug gesetzten Melodien. Die Band hat nur zwei EPs rausgebracht, empfehlen kann ich vor allem ihre erste, LSD and the Search for God (2007). Die zweite, Heaven is a Place (2016!) klingt zwar nett, opfert die schönen Melodien allerdings teils recht konventionell klingenden Space-Rock-Riffs.

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