Hans Henry Jahnn – Pastor Ephraim Magnus (1919)

Ein sperriger Name, ein sperriges Stück. Auf meiner Suche nach ekliger/schockierender Literatur um die Jahrhundertwende bin ich auf Hans Henry Jahnn und sein erstes Theaterstück gestoßen. Meine Vorliebe für expressionistische Literatur hat mich auch gleich neugierig werden lassen und ich habe mich voller Freude hineingestürzt. Leider ist das Stück mit Stürzen nicht zu bewältigen. Vor allem sind es unglaublich lange, hochphilosophische Dispute über Gott, Fleisch und Sünde, unendlich düster und verzweifelt, in ihrer metaphernreichen, komplexen Sprache auch formal schwer zu bewältigen. Die konsequent dunkle Atmosphäre gestaltet sich dabei teils als packend teils als ermüdend monoton.

Die Geschichte über eine Pastorenfamilie lässt sich beinahe als stationenhaftes Drama begreifen. Ständig stirbt jemand; sowohl Todesprozess als auch Todesergebnis werden daraufhin reflektiert und höheren Fragen zugeführt. Die konkreten Bezüge, Figurenhandlungen treten kaum hervor, sie dienen vor allem als Ausgangslage für Reflexionsprozesse – das Stück erscheint sehr statisch. Einige Überlegungen erscheinen reizvoll und interessant, andere wirken in ihrer Menschen- und Lebensverachtung doch arg gewollt. Inmitten dieses schweren, nihilistischen Gedankenstroms fallen einem vor allem die gewalt- und ekelhaltigen Gedankengänge der Figuren auf. Zumindest hierbei wurde ich nicht enttäuscht:

Denke Dir, man verrottet und lebt dabei – man ist wie ein verwesender Leichnam und lebt! Man steckt mit seinen Gefühlen in solch von Leichenmoder zerfressenem Fleisch – Weshalb begreifst Du nichts? Weshalb bringst Du mir dies Frühstück? – Willst du die Verwesung an mir mästen? Soll ich an Schmerzen und Kot zerplatzen?

(Hans Henry Jahnn: Pastor Ephraim Magnus. In: Ulrich Bitz (Hrsg.): Dramen I, Hamburg 1988, S. 9.)

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2 Gedanken zu “Hans Henry Jahnn – Pastor Ephraim Magnus (1919)

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