Andrzej Żuławski – Possession (1981)

Am Dienstag ist der polnische Filmmacher Andrzej Żuławski gestorben. Zu diesem Anlass möchte ich noch einmal auf sein großartig-verwirrendes Werk Possession aufmerksam machen.

Zunächst ist Possession noch ein klares Beziehungsdrama: Sie geht fremd, er wird wütend. Schnell findet er aber heraus, dass sie ihn mit einem merkwürdigen Monster betrügt. So kippt der Film zunächst in puren Psychohorror, wobei er schließlich zum metaphysisch aufgeladenen Rausch voller undurchdringlicher Bilder und Dialoge wird. Dabei wird sogar der Trashfilm gestreift, wenngleich auch der zu etwas transformiert wird, was sich letztlich gar nicht mehr fassen lässt. Oder eben doch, wobei das keine Erleichterung sein dürfte. Im Gegenteil, der Film macht Angst.
Transformation ist übrigens ein gutes Stichwort. Man kommt letztlich nicht umhin anzuerkennen, dass die ganze Destruktion der Wirklichkeit hier zu einer Art postmoderner Genesis führt. Oder um es mit den Worten des Films zu sagen: Aus der Zerfleischung wird Fleischwerdung. Dies geschieht in aller Konsequenz und vor allem vor der Kulisse der Berliner Mauer. Ein politischer Querverweis, der alleine soviel Hirnfickpotential enthält, dass es eine echte Freude ist.

Obgleich der Film letztlich unmöglich fassbar ist und mit Querverweisen in alle möglichen Richtungen schießt (die Gewaltmetapher bietet sich an, da der Film eine äußert brutale Ausdrucksweise besitzt), bleibt er innerlich konsistent und strebt auf ein plausibles Endszenario zu. Dieses greift alle zuvor gegebenen Motive auf, wenngleich es sie schließlich auch überkommt und den Zuschauer am Ende einen ordentlichen Mindfuck bereitet. Spannung ist bis dahin jedenfalls garantiert, was vor allem den tollen Darstellern Adjani, Neill und Bennent in ihren explosiv verdichteten Konfrontationen zu verdanken ist. Wobei Adjani noch einmal herausragt, die ihre Person nicht bloß gebrochen, sondern als sich förmlich zerschmetternd präsentiert.
Selbst wenn man also nichts versteht, was nicht unwahrscheinlich ist, wird man entweder gefesselt, oder schaltet ab, weil es zu viel wird. Keinesfalls dürfte man angesichts dieser vereinten Unmöglichkeiten unberührt bleiben. Ein Film wie purer Wahn, bei dem die Realität zum Stichwortgeber verkümmert.

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