Alejandro Jodorowsky – The Holy Mountain (1973)

War El Topo noch Jodorowskys Genre-Sprungbrett in den Surrealismus, teils eher noch Bewegung als Erfüllung, ist The Holy Mountain nun die absolute Inkarnation seiner Utopie aus Mystik, Wahnwitz und satirischer Groteske. Für alles andere, was den üblichen Erzählfilm auszeichnet, lässt er wenig Raum. Die Bildassoziationen explodieren an vielen Stellen, die Handlung scheint oft auf ein bloßes Hilfskonstrukt heruntergebrochen: Einige Männer machen sich auf die Reise zum Heiligen Berg. Überhaupt, das macht Jodorosky klar, ist das Ziel eben nicht das Ziel, vielmehr der Weg dorthin, die Mittel, die man nutzt. Entsprechend verselbstständigt sich der Film an vielen Punkten – oft bleibt nur pure Ratlosigkeit, wenn nicht der WTF-Effekt bis dahin alle Denktätigkeit weggebrannt hat.

Denn Jodorowsky schafft hier einen maximal grotesken Farbspiegel fantastischer bis krank-verschrobener Bilder. Heftig wühlt er im Unterbewusstsein der Kultur, legt tiefste Triebe fest auf den Tisch, nur um sie umgehend wieder zu verzerren. In seinem Bilderrausch verliert er das Gespür für hochkonzentrierte Satire jedoch nie. Wenig überraschend für seine Entstehungszeit, geht es auch hier gegen Massenkonsum, Industrialisierungszwänge (bis hin zur totalitären Vernichtungsindustrie), Bigotterie und Vergnügungswahn. Die hier (zunächst!) angestrebte Selbstsuche zeigt sich da als radikal-unerbittliches Gegenbild.
Bringt man als Zuschauer nicht die nötige Lockerheit mit, kann diese hochpenetrante Werbung für das Asketische dabei schon ins Ärgerliche gehen. Lässt man sich aber mitreißen vom gewitzten Surrealismus, der sonst vorherrscht, kann man schließlich auch darüber lachen. Über den übertriebenen Ernst, die vielen simplen Sentenzen, die den grotesken Bildern oft irritierend entgegenstehen. Am besten funktioniert The Holy Mountain überhaupt als Rauschkino, das seine subversive Schlagkraft gerade ohne Verstandestätigkeit entfacht. Dann hagelt es Surrealismus unvermindert wie beim frühen Buñuel/Dalí und man ist als Fan irren Kinos einfach nur glücklich.

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3 Gedanken zu “Alejandro Jodorowsky – The Holy Mountain (1973)

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