Christoph Hein – Bruch (1999)

Bruch ist eigentlich eine klassische Verfallsgeschichte voll typischer Selbstüberschätzung, ungedämpfter Hybris. Der Protagonist und ehemaliger Top-Chirurg Theodor Bruch kann mit seinem orientierungs- und mittellosen Leben kaum mehr etwas anfangen. Überhaupt will er es nicht akzeptieren und ist bereits bei Plänen für eine neue Klinik, eine Bruch-Klinik mit ihm an der Spitze. Dass die Wirklichkeit nicht mitzieht, ist ziemlich schnell klar. Wie Christoph Hein das ganze umsetzt, bleibt aber besonders. In Dürrenmattscher Lakonie und Direktheit  zeigt er doppelsinnig ironische Begegnungen, die nur oberflächlich vom bloßen Scheitern handeln. Dahinter treten interessante Charaktereigenschaften hervor, merkwürdige Vergangenheiten und teils, und dann auch kaum mehr verdeckt, schiere Absurditäten, die auch ins Makabre reichen. Erst letzteres macht das Drama nicht nur tragisch, sondern auch aufregend, böse und, für diesen Blog ganz wichtig, grotesk. Somit ein deutlicher, lesenswerter Abgesang auf die Vergangenheit.

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