Genreliebe #5 – Indie/Restliches

Es kommt zur letzten Genreliebe. Und wenn ich mir dafür schon das musikalisch irrelevante Genre des Indie greife, kann eigentlich gleich alles in diese Kategorie, alle Musik, die ich genreunabhängig empfehlen möchte. Denn ganz ehrlich, etwas Indie, ob Hip-Hop, Rock, Pop, Folk, Elektro hören wir doch alle. Also: Ich fühle einmal in mich hinein und suche ein paar Indie-Künstler, puren, aber gelungenen Rest heraus.

Radiohead

Diese Band zu empfehlen ist ähnlich innovativ wie auf Kaffee zu stehen. Es gibt wahrscheinlich niemanden, der es wagen würde, Radiohead zu attackieren. Allerhöchstens wagt einmal einer, sie als verkopft zu bezeichnen, wird von tausend Liebhabern aber auch gleich wieder niedergeschrien. Radiohead sind tatsächlich einfach gut. Sie wagen immer viel und bekommen es immer wieder hin. Vom stilbildenden Britpop zum neurotischen Alternative zum tausendbödigen Art- ach, Alles-Rock. Keine Angst vor jedem Genre, aber immer dieses Gespür für Melancholie, Verzweiflung, dem Hadern mit dem Phänomen der Entftemdung. Jap, was zu Beginn des 20. Jahrhunderts der Expressionismus war, ist im 21. Radiohead. Eine Band, eine Bewegung. Instant classic. Albumhörtipp: Kid A, Songhörtipp: „15 Step“.

Yeasayer

Die hingegen sind nicht allzu bekannt. Ich würde sogar behaupten, in Deutschland, jenseits von Berlin, quasi unbekannt. Irgendwie hipster wirkt diese Gruppe tatsächlich. So wie sie kulturoffen, poppig, psychedelisch durch Abend- und Morgenkulturen danct. Auf ihrem ersten Album All Hour Cymbals (2007) experimentell wie Animal Collective, auf ihren anderen Alben schamlos poppig bis tief in die 80er-Mottenkiste. Spaß macht es trotzdem, interessant ist es eigentlich immer, catchy in jedem Fall. Hörtipps sind das wunderschön nachdenkliche „2080“, das folkig-elektronische „Madder Red“ und der Floor-Opener „Fingers Never Bleed“.

The Dillinger Escape Plan

Sehr speziell, da enorm heftig-irritierender Chaoscore. Wildes bis spastisches Geschrei, zerhackte Rhythmen, seltsame Jazz- und Elektronikausflüge, ringelnde Ohren. Irgendwo im weiten Web einmal als „Radiohead des Metal“ bezeichnet, machen sie ihrem Namen alle Ehre. Zwar ohne intellektuell-kulturkritische Auseinandersetzung dafür aber mit ähnlich komplexen, hier gern an den Jazz angelehnten Strukturen. Im besten Fall experimentelle Musik, die sofort zum Rumspringen einlädt. Als Einstieg empfiehlt sich der direkt rockende Song „Milk Lizard“, der fiese „Fix Your Face“ und der brutal-ausgefallene „Room Full Of Eyes“.

Austra

Wieder deutlich konsumierbarer, irgendwo zwischen Florence and the Machine und Zola Jesus, also zwischen lebhafter Tanzbarkeit und düsterem Artpop. Grundsätzlich gern dem Gothic zugeneigt und mit großartiger Stimme finden die Songs immer den richtigen Brennpunkt, um gleichermaßen schwelgend und belebend zu sein. Hörtipps sind das sehr tanzbare „Lose It“, das wunderschöne „Spellwork“ und das klagende „The Noise“.

Babyshambles

Zwischen direktem Rock und punkhaftem Exzess sind die Babyshambles ein wunderbares Beispiel für die Radikalität, die dem Rock und seinem Lifestyle innewohnt. Pete Doherty ist wahrscheinlich bekannter als seine beiden Bands zusammengenommen und tatsächlich sieht man ihn hier in jedem Song herumtaumeln, in seiner eigenen Körperflüssigkeit baden. Irgendwie versifft, irgendwie griffig, wunderbar plastisch. Ohne „Fuck Forever“ geht kein guter Abend, aber auch die verspielten „8 Dead Boys“ und „Loyalty Song“ sind nicht zu verachten.

Sigur Rós

Wenige Worte nur zu dieser Band, denn zur Elfenkapelle mit Neigung zum schönen Lärm hat man schon viel Treffendes gelesen. Aber man muss sie einfach hören, ganz einzigartig, einnehmend. Jeder Song braucht seine Zeit, aber gerade so kann man wunderbar hineintauchen und auch darin liegen bleiben. Hörtipps gibts viele, herausstechend sind vor allem „Untitled 8“, „Hoppípolla“ und das überraschend industrielle „Kveikur“.

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