Aleksei German – Es ist schwer, ein Gott zu sein (2013)

Natürlich, wer Inhaltskino sucht, sollte einen weiten Bogen um Trydno byt bogom schlagen. Der Film ist ein visueller Hammer, mit ordentlich Dreck, Scheiße nebst Darm und Blut bespritzt.
Die Kamera, die uns das zeigt, ist eine intime Begleiterin, die mit den Körpern und deren Umgebung stets auf Kollision steht. Die Figuren witzeln, klagen vor ihr oder bespritzen sie, niemals aber lässt man sie auf große Distanz. Da setzt der Beginn mit sanft gleitender Totalen und wohlig-einstimmendem Off-Kommentar sicher die falschen Erwartungen. Das ist kein Tarkovsky, aber auch kein Żuławski. Das ist neu, unmittelbarer als alles, filmische Physis als Grenzerfahrung für den mitfühlenden Zuschauer.

Also muss der auch viel Geduld mitbringen. Denn er reist mit ein paar Forschern auf einen fremden, mittelalterlichen Planeten voller Gewalt und Kälte. Niemals lässt ihn die Kamera in diesen quälend langen 177 Minuten dabei in Ruhe. Niemals gibt es Zeit zur Ordnung. Immer ist es Bewegung, Hektik. Nur eines verbindet diesen Film (neben seiner metaphysischen Schwere) da mit einem Tarkovsky: Die Welt hier ruht in sich selbst. Obwohl überall Gewalt und Entäußerung sind, bleiben die Charaktere, anders als die Kamera, zufrieden darin stehen. Sehr selten kommt es ansatzweise zu einer Eskalation, einem nachvollziehbaren Gefühlsausdruck. Das macht den Film schließlich noch schwieriger. Man kann unmöglich mitfühlen, aber irgendwie fühlt man doch angesichts dieser direkten Bilder. Einen Katalysator bekommt man nicht – ein Leidenszwist, eine Leerstelle, die dieser bildgewaltig-hässlichschöne Film beschwört. Ja, es ist schwer ein Zuschauer zu sein, in dieser Welt, die in sich selbst versinkt.
Ein starkes, unangenehmes Zeugnis.

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