Eine Skizze zu Kunst und Politik

Der Streitcharakter der demokratisch geprägten Politik sollte im Rahmen der Kunst unbedingt beachtet werden. Obgleich manch einer vielleicht faselt, dass die Kunst offen für die Pluralität der Deutungen sein muss – und dazu zähle ich mich auch –, so kann sie von der Politik vielleicht sogar lernen, dass dies keinen Einfluss auf deren Machart haben sollte. Heißt: Innerhalb der Politik werden oft stringente, gar provokant polemische Argumente produziert, die auf den ersten, zweiten und dann auch letzten Blick rein gar nichts mit Pluralität zu tun haben. Sie entwickeln sich im Rahmen einer strikten Programmatik, die zur Identifikation mit der politisch sprechenden Person oder dem Parteikörper aufruft. Erst indem mehrere solcher Identifikationsangebote geschaffen werden, welche dann zwingend in Streit treten, ist die Pluralität, der Reibecharakter der demokratischen Politik gegeben. Der Wähler kann daraufhin sein Angebot wählen und den Streit auch gerne auf weitere Ebenen transportieren. Vielleicht wird er gar künstlerisch aktiv.

Nun ist die Kunst selbst äußerst diktatorisch in ihrem Ausdruckscharakter. Genauer gesagt MUSS sie dies sein. Nur wenn Kunst radikal individuelle Ansichten für wichtig proklamiert und damit den Rezipienten, im wörtlichsten Sinne, angreift, ist sie wertvoll. Im Feld der Kunst (dieser laienhafte Griff nach Bourdieu sei erlaubt) entsteht dann analog zum Feld der Politik ein Kampf um Meinungsspielräume, der sowohl vonseiten der Rezipienten als auch der Kunstschaffenden Pluralität in der Deutung ermöglicht. Hier aber auch der Unterschied zur Politik: Diese will Eindeutigkeit in ihren Aussagen, die Kunst will dies nicht! Sie will im Zweifel und Undeutlichen verbleiben, notfalls über eine verkommene Ästhetik, und dabei gleichzeitig treffen und faszinieren.

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