Michael Dougherty – Krampus (2015)

Krampus ist schon von der Produktionsanlage ein außergewöhnlicher Film. Denn hier verfilmen Amerikaner einen tiefeuropäischen Volksglauben. Andererseits auch nicht verwunderlich, denn Amerika ist ein Land der Einwanderer, der verschiedenen Kulturen. Culture Clashs überraschen also nicht, auch wenn man oberflächlich gern vom amerikanischen Volk redet. Die Wurzeln reichen tiefer, bis ins Unangenehme, wie Krampus zeigt.

Zunächst aber ist es wieder purer Konsumterror, die Leute rennen sich um, verspotten einander, jeder will der Erste, Wichtigste und Beste sein. Ja, es ist Weihnachten, das stellt der Film mit ausladendem Sarkasmus freudig zur Schau. Amerika ist längst nicht das unter Gott geeinte und daher gerade zu Christi Geburt besonders einhellige Volk, sondern eines egoistischer Einzelinteressen. Und genau hier setzt der Krampus an. Er straft die Unseligen, Streitsüchtigen, die sich vom Kern der Weihnacht, der frohlockenden Zusammenkunft entfernen. Die Figur des Krampus ist also eine Figur des Ursprünglichen, ein Dämon, der gnadenlos für eine alte Ordnung steht. Das Konsumreich Amerika wird zu seinen tiefchristlichen Wurzeln zurückgeholt, mit der Schockwirkung, die man 2015 braucht, um dem kalten Konsumterror noch Einhalt zu gebieten. Krampus ist ganz konsequent ein Horrorfilm. Ja, und ein guter noch dazu.

Zwar braucht er ein wenig, bis sich eine düstere Stimmung einstellt, dann aber fährt er ein Figurenarsenal verrück-karnevalesker Horrorgestalten auf, an denen auch Freddy Krueger seine echte Freude gehabt hätte. Der Film funktioniert auch viel weniger als behäbiges Gruselstück denn als schwunghaft-böse Abrechnung mit dem schal gewordenen Familienfest. Jenseits von Hollywood zelebriert der Film den Krampus als tiefeuropäische Märchengestalt, wie man sie aus den schaurigen Hausmärchen kennt. Keine Erlösungshoffnungen, nur pure Willkür, fast ein alttestamentarischer Ansatz, ganz entgegen einem amerikanischen, wirtschaftstauglichen Protestantismus. Die Sünde wird bestraft, abgegolten oder -gekauft war sie nie. Der Krampus kommt wieder. Ein wunderbar konsequenter, altmodisch düsterer Film, der in Amerika gerade richtig aufgehoben ist.

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